Riccardo Montolivo – Spielerprofil

Im Sommer 2019 beendete der defensive Mittelfeldspieler Riccardo Montolivo seine eindrucksvolle Karriere. Der 1985 geborene Italiener mit deutschen Wurzeln war als sehr vereinstreuer Spieler bezeichnen, zudem als echte Stütze der italienischen Nationalmannschaft und war wahrscheinlich einer der besten italienischen Kicker, die nie einen namhaften Titel gewannen.

Von Bergamo nach Florenz

Im Alter von 18 Jahren machte Montolivo seine ersten Partien für seinen Stammverein Atalanta Bergamo und es dauerte gerademal zwei Jahre bis zu seinem ersten großen Transfer. Die AC Fiorentina legte stolze 5,5 Millionen Euro auf den Tisch, um den Youngster aus Bergamo loszueisen. Gerade als sich Montolivo bei den Violetten durchsetzen konnte, holte die Squadra Azzurra in Deutschland den Weltmeistertitel. Nur ein Jahr später debütierte Montolivo im italienischen Team. Es sollte nicht der letzte Titel sein, der dem talentierten Box-to-Box-Spieler vom Faktor Zeit weggeschnappt wurde.

Vielseitiger Mittelfeldspieler für mehrere Systeme

Bei der Fiorentina wurde Montolivo zu einer wahren Bank. Er überzeugte durch sein gut ausbalanciertes Spiel im Mittelfeldzentrum. Allerdings war der filigrane Techniker auf nahezu jeder Position im Mittelfeld zu gebrauchen, spielte als Sechser, Achter, Zehner und auf Halbpositionen bzw. an den Seiten. Seine hohe Spielintelligenz und gute Übersicht ermöglichten es seinen Trainern, ihn in verschiedene Systeme und Spielformen einzubinden. Auch für seine cleveren taktischen Fouls war Montolivo Zeit seiner Karriere bekannt. Er galt als Spieler, der häufig zu unlauteren Mittel griff und viele gelbe Karten sah, dies aber zumeist in den richtigen Zonen tat. In Ballbesitz war er am präzisesten als „tiefer Spielmacher“ zu bezeichnen und war zu seiner Hochblüte damit einer der wenigen seines Fachs. Sein präzises Passspiel und seine Vertikalität, aber auch das gute Auge für Mitspieler, machten ihn zu einem spielerischen Fixpunkt seiner Mannschaften.

Vielversprechender Start in Mailand

Nach sieben Jahren in Florenz war 2012 Zeit für einen Tapetenwechsel. Immerhin gewann Montolivo mit den Florentinern keinen Titel und das wollte er nun beim AC Milan nachholen, der ihn ablösefrei verpflichtete. Prinzipiell begann auch alles vielversprechend und Montolivo war nicht nur sofortiger Stammspieler und Leistungsträger bei den Rossoneri, sondern holte auch noch den dritten Platz in der Serie A. Milan machte den Eindruck, als könnte man die schwachen Phasen der Vergangenheit hinter sich lassen und wieder vorne anklopfen. Doch es kam alles anders.

Verletzungen machen einen Strich durch die Rechnung

Auch in der Saison 2013/14 war Montolivo noch Stammspieler bei den Mailändern, die allerdings den schwachen zehnten Platz belegten und damit sogar die Qualifikation für Europa verpassten. Was folgten waren auch noch neu entdeckte Verletzungsprobleme: Ein Schienbeinbruch im Frühling 2014, ein Kreuzbandriss im Jahr 2016. Für Montolivo waren es die ersten Verletzungen dieser Art, nachdem er zuvor vom Verletzungsteufel verschont geblieben war. Kurz vor seinem Kreuzbandriss hatte er aber doch noch endlich die Chance auf den ersten Titel seiner Karriere: Im Finale der Coppa Italia 2016 wurde der Mittelfeldspieler erst in der Verlängerung, beim Stand von 0:0 nach 108 Minuten ausgewechselt. Zwei Minuten später schoss Álvaro Morata aber Juventus Turin zum Titel.

Eine große, aber titellose Karriere

Ab hier war es um die Karriere des leichtfüßigen und doch hart spielenden Montolivo geschehen. In Mailand wurde er degradiert, spielte in den letzten Jahren seiner Karriere nur noch sporadisch. Eine Begründung dafür erhielt der längst wieder fitte Montolivo dafür jedoch nicht. Der einstige Kapitän der Rossoneri spielte seine letzte Partie am 13.Juni 2018 – ausgerechnet gegen Atalanta Bergamo, wo alles begann. Montolivos Karriere zählt stolze 66 Länderspiele für Italien, eine WM- und eine EM-Teilnahme, fünf Teilnahmen an der UEFA Champions League mit zwei verschiedenen Teams – und dennoch wurde sie ohne nennenswerten Titel beendet…

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