Warum Pinnacle 2011 seinen Poker-Room schloss

Für viele Wettfreunde ist der 1998 gegründete Sportwettenanbieter Pinnacle die erste Wahl. Einerseits heißt der mittlerweile auch mit einer maltesischen Wettlizenz ausgestattete Anbieter auch High Roller ausdrücklich willkommen, andererseits schätzen die User den attraktiven Quotenschlüssel, der für die meisten anderen Wettunternehmen als Maßstab gelten kann. Viele wissen jedoch nicht, dass Pinnacle bis zum Jahr 2011 auch eine Alternative für Pokerspieler war.

Alles begann mit Rounders

Rückblickend lässt sich festhalten, dass der Grundstein für den Poker-Boom, der in den Jahren zwischen 2003 und 2006 seinen Höhepunkt erreichte, bereits im Jahr 1998 gelegt wurde. In diesem Jahr lief nämlich das Drama „Rounders“ in den Kinos. Zwei Freunde tauchten in die Welt des High-Stake-Pokerns ein, da sie schnell Schulden zurückzahlen mussten. Der Film übertraf an den Kinokassen die Erwartungen, was nicht zuletzt daran lag, dass mit Edward Norton, Matt Damon, John Malkovich und John Turturro hervorragende Schauspieler am Werk waren. Kurz darauf folgten die ersten Fernsehübertragungen der World Series of Poker (WSOP) und weitere Formate, die auf Fernsehstationen rund um die Welt übertragen wurden.

Ein Amateur namens Moneymaker

Der ganz große Poker-Hype startete allerdings erst im Mai 2003, als Amateur Chris Moneymaker, dessen Name sich natürlich auch perfekt vermarkten ließ, das Main Event der World Series of Poker gewann. Moneymaker qualifizierte sich über ein sogenanntes Satellite auf Pokerstars für das Turnier und setzte sich anschließend im Main Event gegen 838 andere Spieler durch. Das Nenngeld für das Satellite kostete nur 86 Dollar – der Sieg brachte ihm rund 2.34 Millionen Dollar ein. Die Anzahl der Teilnehmer bei der World Series of Poker wuchs jedes Jahr und 2006 spielten bereits 8.773 Teilnehmer um den Titel – mehr als 14-mal so viele wie im Jahr 2002 vor dem Poker-Boom.

Regulierungen bremsen Poker-Boom aus

Von diesem Hype profitierten auch die Online-Poker-Anbieter, die zwischen den Jahren 2003 und 2006 ein unglaubliches Wachstum erfuhren. Der Unlawful Internet Gambling Enforcement Act of 2006 machte vielen Anbietern allerdings einen Strich durch die Rechnung, da Online-Poker in den USA fast unmöglich gemacht wurde. In vielen anderen Ländern konnten die Anbieter dennoch ihre Dienste anbieten, auch wenn es sich mancherorts um einen Graubereich handelte und die staatlichen Regulierungen fehlten.

Im Jahr 2008 öffnete Pinnacle seinen Poker-Room und nutzte dafür das Entraction Network, das auch viele weitere Anbieter wie Redbet und Betdaq verwendeten. Im 2004 gegründeten Entraction Network war der Anteil der US-Spieler ohnehin immer gering, da man sich mehr auf den europäischen Markt konzentrierte, weshalb der Unlawful Internet Gambling Enforcement Act of 2006 nicht allzu schwer ins Gewicht fiel. Das lässt sich schon alleine aus der Tatsache erahnen, dass die Spielwährung im Entraction Network der Euro war, während bei den meisten anderen Anbietern der Dollar dominierte.

Die Übernahme des Entraction Networks

Der Slotmaschinen-Hersteller IGT übernahm im Jahr 2011 das Entraction Network für stolze 115 Millionen. Der neue Besitzer setzte auf eine gewisse rechtliche Sicherheit, da das Entraction Network bereits seit 2006 keine Spieler aus den USA annahm, sodass keine gerichtlichen Klagen zu erwarten waren. IGT wollte aber auch in den restlichen Märkten für rechtliche Sicherheit sorgen und schloss Spieler aus Australien, Spanien, Frankreich, Russland und einigen weiteren Nationen aus, da die rechtliche Lage in diesen Ländern unsicher war. Dies führte dazu, dass der Traffic im Netzwerk rapide sank.

Fokus auf Sportwetten

Im Juni 2011 wurde auch Pinnacle verständigt, dass Änderungen der EU-Regulatorien dazu führten, dass die Curaçao-Lizenz nicht mehr ausreichend war. Da Pinnacle zum damaligen Zeitpunkt noch nicht über die Lizenz aus Malta verfügte, entschied sich das Unternehmen den Poker-Room zu schließen. Pinnacle gab an, dass die notwendigen Schritte zur Fortführung des Poker-Angebots enorm umfangreich wären und dass man sich auf Sportwetten und Casino-Spiele konzentrieren wolle. Ein wesentlicher Faktor für diese Entscheidung war allerdings sicherlich, dass der Poker-Boom schon längst seinen Höhepunkt erreichte und die Anzahl der Spieler signifikant zurückging. Eine weise Entscheidung, denn nur ein Jahr später schloss IGT sein Poker-Network – der 115-Millionen-Deal zahlte sich demnach nicht aus.

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