Der unerwartete “Man of the Match” im WM-Finale 2014

Und da war sie plötzlich – die 113. Minute des WM-Finales in Rio de Janeiro. Fast 75.000 Zuschauer hielten den Atem an, als André Schürrle jenen verheißungsvollen Ball auf Mario Götze spielte. Eine Koproduktion zweier Megatalente des DFB besiegelte das späte K.O. Argentiniens. Götze legte den Ball per Halbvolley ins lange Eck, an Sergio Romero vorbei. Deutschland war Weltmeister.

Dabei hatte jener Mario Götze, der dafür logischerweise zum Spieler des Finales gewählt wurde, beim wesentlich sensationelleren 7:1-Sieg Deutschlands über Gastgeber Brasilien im Semifinale nicht mal eine Minute lang gespielt. Von der Bank aus verfolgte der 22-Jährige das unfassbare Geschehen auf dem Platz und eine gespenstische Stimmung auf den Rängen. Im Viertelfinale, beim 1:0-Erfolg über Frankreich, spielte Götze gerade mal sieben Minuten.

Kein Märchen für Klose

Und auch im Finale war Götze kein Starter. Nach 88 Minuten, kurz vor Ende der regulären Spielzeit, mit einer Verlängerung vor Augen, kam er für Miroslav Klose ins Spiel – jenen 14 Jahre älteren Stürmerkollegen, der just an diesem Juli-Abend sein letztes Spiel für Deutschland bestritt. Zwei Tore hatte der gebürtige Pole im bisherigen Turnier erzielt. Das reichte für den WM-Torrekord von 16 Treffern, aber das ganz große Finalmärchen blieb für den damals bereits 36-Jährigen aus.

Die Jugend übernimmt

Für dieses sorgte aber ohnehin Götze. In Dortmund wurde der flexible Offensivspieler groß, 17-jährig debütierte er in der deutschen Bundesliga, bereits im Alter von 18 Jahren war der Spielmacher Stammspieler beim BVB. Ein Jahr vor dem Turnier in Brasilien folgte der fast schon logische Schritt nach München. Die Bayern bezahlten 37 Millionen Euro Ablöse für das „Wunderkind“, die große Karriere war für den damals sogar noch U21-berechtigten Götze praktisch vorherbestimmt.

Schweres Jahr in Bayern

Doch es kam alles anders: Obwohl er in seiner ersten Saison bei den Bayern 15 Tore und 13 Assists in 45 Pflichtspielen beisteuerte, stand das Toptalent plötzlich in der Kritik. Dies hatte vor allem damit zu tun, dass Götze in den großen Spielen, speziell in der UEFA Champions League ausließ, untertauchte, phasenweise fast unsichtbar war. Man erwartete sich zur Zeit seines Wechsels nach München, dass er bei der WM eine fixe Stütze in der Elf von Joachim Löw sein würde. Das war allerdings nicht der Fall und auch wenn Löw stets auf das Potential des Youngsters setzte, war nicht immer sicher, ob Götze überhaupt zur Weltmeisterschaft mitfahren würde.

Der unerwartete „Man of the Match“

Am Ende machte Löw aber alles richtig, brachte seinen späteren Goldjungen zu den richtigen Zeitpunkten, etwa ausgeruht für die Verlängerung eines zuvor nervenaufreibenden und von vorsichtigem Spiel geprägten WM-Finale. Vor dem Spiel überschlugen sich die Buchmacher in ihren Prognosen, wer wohl der Spieler des Finales sein würde. Lionel Messi war auf Seiten der Argentinier natürlich hoher Favorit, bei den Deutschen wären Mesut Özil oder der beherzt kämpfende Bastian Schweinsteiger echte Kandidaten gewesen. Am Ende wurde es aber der Reservist, der ein solch schweres Jahr hinter sich hatte.

Einmal Weltmeister und zurück

Es war eine Sternstunde für jenen jungen Mann aus Memmingen. Die letzte für lange Zeit. Drei Jahre lang blieb Götze in München, absolvierte 114 Spiele, holte drei Meisterschaften und zwei Pokalsiege. Die Champions-League-Trophäe konnte er jedoch nie in den Nachthimmel stemmen. Und daran wurde er in Bayern schlussendlich gemessen. Dass er jedoch in Südamerika jenen begehrten, goldenen Pokal in die Höhe reißen konnte, wiegt für sein Karrierevermächtnis ohnehin schwerer, als die missglückten drei Jahre beim „FC Hollywood“. Im Sommer 2016 wechselte Mario Götze um 22 Millionen Euro zurück zu Borussia Dortmund…

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